4. August 2020 - 12:46 Uhr

Bloomberg Bericht - Blizzards Mitarbeiter scheinbar unterbezahlt

Selbst bei Blizzard arbeiten und mit an den tollen Spielen herumtüfteln, die man seit vielen Jahren schon in sein Herz geschlossen hat. Sicherlich eine Traumvorstellung von vielen Fans, vor allem im jüngeren Bereich. Doch so toll es bei der Spieleschmiede im sonnigen Kalifornien eventuell sein mag, umso weniger schön sehen die Zahlen auf dem Kontoauszug vieler Mitarbeiter aus. Bereits seit längerer Zeit gibt es immer wieder Schlagzeilen zum Thema schlechter Bezahlung in der Gamingindustrie und im vergangenen Juni wurde auf Twitter mit dem Hashtag #gamedevpaidme noch mehr Licht auf dieses Thema geworfen. Ganz oben mit auf der Liste der kritisierten Unternehmen: Blizzard!

Die Mitarbeiter des Unternehmens, vor allem im Bereich Kundensupport und Qualitätssicherung, sind frustriert über Lohnunterschiede sowie schlechten Vergütungen und haben nun sogar eine Tabelle erstellt, in der Gehälter und Gehaltserhöhungen dokumentiert wurden, wie Jason Schreier für Bloomberg News berichtet. Das anonyme Dokument zeigt unter anderem Lohnerhöhungen im Bereich von unter 10%, während Kollegen in höheren Positionen teilweise Aufstockungen von 20% erhalten. Da Blizzard eine ganze Reihe von Positionen durch Stundenlöhne anstelle des Jahresgehalts bezahlt, stützen sich die Mitarbeiter auf Überstunden, um über die Runden zu kommen. Oftmals stoßen die Arbeitnehmer auf Probleme, wenn der Grundbetrag für die Lebenshaltungskosten zu niedrig ist und die stündlichen Erhöhungen extrem gering sind.

In Südkalifornien gibt es viele Spielestudios - allein in Irvine konkurriert Blizzard mit Riesen wie z.B. Amazon sowie mit branchennahen Unternehmen wie z.B. Razer und Twitch. In der Nähe von Los Angeles herrscht ein Wettbewerb um Jobs in der Spiele- sowie Unterhaltungsindustrie, insbesondere bleibt ist dabei das Unternehmen Riot, welches attraktivere Löhne für ähnliche Positionen bietet. Dem Bericht von Bloomberg zu folge sollen einige Mitarbeiter erst dann signifikante Lohnerhöhungen bekommen haben, wenn sie gedroht haben das Unternehmen zu verlassen, um zu attraktiveren Firmen zu gehen.

Was oftmals von Neueinsteigern vergessen wird, sind die hohen Lebenserhaltungskosten in Südkalifornien. Während einige der Gehälter auf dem Papier wünschenswert erscheinen mögen, muss dabei beachtet werden, wie viel Geld für das tägliche Leben benötigt wird. Aufgrund der anhaltenden Verkehrsprobleme in Kalifornien, haben die Mitarbeiter keine große Wahl, wo sie wohnen möchten, wenn sie vernünftig ins Büro pendeln wollen und hohe Mietpreise zu Folge hat. 

In internen Nachrichten, die von Bloomberg News geprüft wurden, gaben Blizzard-Mitarbeiter an, dass sie Schwierigkeiten haben über die Runden zu kommen, während sie sehen, wie die Einnahmen von Activision Blizzard Jahr für Jahr steigen. Ein Mitarbeiter schrieb, dass er auf Mahlzeiten verzichten musste, um die Miete zu zahlen, und dass er den kostenlosen Kaffee in der Firma als Appetitzügler nutzt. Ein anderer Mitarbeiter berichtete, er würde nur Haferflocken essen und beim Mittagessen mit dem Team kann er sich die Angebote in der Cafeteria nicht leisten. Bei einer dritten Aussage geht um einen Kinderwunsch eines Mitarbeiters, der nicht erfüllt werden kann, da dies nicht bezahlbar wäre.

Blizzard selbst hat sich bereits zu dem Bericht geäußert und die Sprecherin Jessica Taylor sagt: "Unser Ziel war es schon immer, sicherzustellen, dass wir unsere Mitarbeiter fair und wettbewerbsfähig bezahlen. Wir überprüfen ständig die Vergütungsphilosophien, um das Talent unserer besten Mitarbeiter klar zu erkennen und uns in der Branche wettbewerbsfähig zu halten. Mit dem Ziel, mehr in Top-Mitarbeiter zu investieren.". Wir erinnern uns zurück an das Jahr 2019, in dem 8% der Belegschaft von Activision Blizzard auf Grund von Umstrukturierungs- und Einsparungsmaßnahmen entlassen wurden. Unter anderem auch 1/3 der Mitarbeiter in Frankreich, dem Hauptsitz von Blizzard in Europa.

Im selben Jahr erhielt Bobby Kotick, Chief Executive Officer von Activision Blizzard, einen Bonus in Höhe von 40 Millionen US-Dollar. Kurze Zeit nach den vielen Kündigungen, wurden einige der gleichen Jobs erneut ausgeschrieben, jedoch mit einer geringeren Vergütung als vorher. 

Wie eingangs erwähnt, ist das Problem von unfairen Löhnen in dieser Industrie keine Seltenheit und trifft nicht nur auf Blizzard zu. Passionierte Entwickler sowie Designer wollen unbedingt in den großen und bekannten Spieleschmieden arbeiten, um ihre Leidenschaft vollends ausleben zu können. Oftmals mit dem Nachteil einer schlechten Bezahlung und dies wird leider von vielen Unternehmen ausgenutzt. 

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Faen - Mitglied
Selbst als gering verdiene Person kann ich das absolut nachvollziehen. Soviele Berufe werden einfach wie dreck behandelt. Es ist zwar nichts neues aber es wird auch nichts dagegen getan was sehr traurig ist.
Leradella - Mitglied
Naja ich glaub nicht das sich daran wesentlich was ändern wird. 
Ich bin  in der Krankenpflege und sehe ja auch was mir das "klatschen" auf den Balkonen bringt. 
Pflegekraftuntergrenzen werden ausgesetzt, sehr viele Kollegen müssen in Kurzarbeit, Pflegebonus bekommen die Altenpflege aber nicht die Krankenpflege da die ja "mehr" verdienen.... Dank meinem Bundesland bekommen wir evtl im Herbst einen Bonus, das wird gerade diskutiert. 
Aber so ein 40 Millionen Bonus wird das wohl nicht sein ?!?
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Sekorhex - Gast
Heute durfte ich in der Behörde (weil ich dort arbeite) ein Plakat lesen. Dort stand, dass wir den Putzkräften die ständig sauber machen ein Danke und Begrüßung geben sollen für die wichtige Arbeit die sie hier machen. Ich bin beinahe vor Wut geplatzt, weil das den Putzkräften ein scheiß hilft, wenn ich denen meinen Dank gebe, wenn sie trotzdem mist verdienen. Ich finde sowas einfach unter aller sau.
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Leradella - Mitglied
Ja! Bei mir im Krankenhaus sind die Reinigungskräfte meist sehr gut Integriert. Also die die jeden Tag auf die gleichen Stationen gehen. 
Aber z.B. das Team was die Betten sauber macht beachtet kaum einer. Das finde ich so traurig. In meinem alten Krankenhaus waren immer die gleichen für die Kinderstationen zuständig und von mir haben sie auch immer was angeboten bekommen wenn ich z.B. gebacken habe. Ich hab mich immer mit ihnen Unterhalten wie mit jeder anderen Kollegin auch. Dafür wurde ich des öfteren schräg angesehen. 
Sekorhex - Gast
Wundert mich ehrlich gesagt nicht. Acitivision Blizzard ist nicht seit gestern an Geld interessiert. Egal ob es beim Konsumenten geht oder bei den Mitarbeitern. Ubisoft und Blizzard wohlmöglich auch EA sind die perfekten Beispiele wie man NICHT mit Mitarbeitern/Kunden umgehen sollte. Ich wünsche Blizzard echt, dass sie damit richtig auf die Fresse fallen dafür, dass sie die Mitarbeiter so ausbeuten wie noch nie. Drecks Firma.
Muhkuh - Mitglied
Nicht die Firmen sind das eigentliche Problem, das System ist es. Die Firmen nutzen nur das, was das System vorgibt und tun sie es nicht, werden sie über kurz oder lang entweder liquidiert oder von denen, die das System befolgen und beherrschen, gefressen.
kaito - Mitglied
"Nicht die Firmen sind das eigentliche Problem, das System ist es."
Schuldige aber das ist und bleibt einfach immer und immer und immer wieder eine riesige Ausrede. Egal in welchem "System".
Lederstrumpf - Mitglied
Ich bin nicht immer Kaitos Meinung, aber hier hat er Recht, verdammt Recht.
Wenn sich für den Generalmanager ein 40 Mio Bonus ausgeht - dann könnte Blizzard seinen Mitarbeitern auch deutlich höhere Löhne bezahlen - aber: das wäre nicht im Sinne der Aktionäre, die ja auch ihr Fett haben möchten aus dem Topf.

Das dies System ziemlich krank ist, weiß man, dennoch geiert Jeder - der die Möglichkeit hat - darum, am System teilzuhaben - vorbei ists dann mit der Moral.
Das gilt auch für jeden von uns.
Fakt ist: Activision hat Blizzard geschluckt und Blizz wird das zahlen müssen, was Activision vorgibt - egal wie Blizzards Moral mal war, das ist vorbei.
Was die Welt über Bobby Kotick denkt, kann Dir Google sagen - das ist so Einer, der solange raussaugt was geht - egal obs dabei kaputt wird oder nicht.
Vandijk - Mitglied

damit richtig auf die Fresse fallen dafür, dass sie die Mitarbeiter so ausbeuten wie noch nie"
 

Naja, das ist halt in unserem Wirtschaftssystem nicht zu erwarten.
Es gibt in börsennotierten Aktiengesellschaften der Branche nur 2 Konstanten:
1. Shareholder Value, also den Aktionären sollen Unmengen Geld als Gewinn ausgeschüttet werden
2. Nadelstreifen bekommen das meiste ohne Grund und für die Schaffenden bleibt der Rest.

Das steht aber im guten Einklang mit der Verteilung des Reichtums in den meisten Ländern ob Amerika oder Europa.
 
Lottzel - Mitglied
Ist doch überall so. Es wird oft nachdem jmd gegangen ist danach bei einer neuen Ausschreibung weniger gezahlt und mehr verlangt.
War bei der Stelle meiner Ex-Chefin (ist in Rente gegangen) auch so.
Nachfolger sollte zig mehr Qualifikationen vorweisen können aber bekam dennoch 2 Gehaltsstufen weniger...
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kaito - Mitglied
Das wundert aber jetzt niemanden wirklich, oder?
Warum sollte es in der Spieleindustrie anders sein als in anderen Bereichen?
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Nova - Mitglied

wurden einige der gleichen Jobs erneut ausgeschrieben, jedoch mit einer geringeren Vergütung als vorher. 

Das ist eine Praxis die es scho so lange gibt. Selbst in Deutschland wird dies so gehandhabt. Über Managergehälter und zu welchen Zeiten Bonus an die Upper Führungskräfte gezahlt werden kann man sich auch schon seit Jahrzehnten aufregen. Im Westen nix Neues. Was die Sache nicht besser macht. Aber da gibts echt andere Kaliber.
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Muhkuh - Mitglied

Im selben Jahr erhielt Bobby Kotick, Chief Executive Officer von Activision Blizzard, einen Bonus in Höhe von 40 Millionen US-Dollar. Kurze Zeit nach den vielen Kündigungen, wurden einige der gleichen Jobs erneut ausgeschrieben, jedoch mit einer geringeren Vergütung als vorher. 


Das ist der nochmal wesentlich größere Skandal des gesamten Systems der "freien Marktwirtschaft" - das Management spart bei den Mitarbeitern nach Möglichkeit jeden Cent ein und kriegt dafür auch noch einen exorbitanten Bonus. Der Herr Kotick zB. verdient eigentlich, als CEO, 9 Millionen Dollar Grundgehalt und kassiert 40 Millionen Dollar Bonus, des guten ergebnisses wegen, das so gut, weil er bei den kleinen Leuten noch mehr eingespart hat und nicht, weil das Unternehmen so viel mehr verkauft hat - jetzt mal abgesehen davon, dass er mits einem "Konsortium" auch größter Anteilseigner ist.
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redcloud - Mitglied
Stimme dir zu! Nur die Vokabel „verdienen“ im Zusammenhang mit Millionengehältern kommt mir stets unpassend vor.
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Lalaland - Mitglied
Muhkuh scheint noch nie in IRGENDEINEM Börsennotierten Unternehmen der USA gearbeitet zu haben. Das ist "normal".
Muhkuh - Mitglied
Börsennotierten Unternehmen der USA gearbeitet zu haben. 

Dazu braucht es die USA nicht, das ist hier nicht und ausserdem nirgendwo mit "hochentwickelter freier Marktwirtschaft", anders. Trotzdem kann man das System RICHTIG Scheiße finden und muss es nicht als "normal" akzeptieren 

mark my words:
Der Kapitalismus ist Scheiße
MagicTurtle - Mitglied
mark my words:
Der Kapitalismus ist Scheiße
Nicht ganz: der unregelmentierte Kapitalismus ist das Problem. Genau aus diesem Grund braucht es eine soziale Markwirtschaft, die korrigierend eingreifen kann. Liberale Marktwirtschaft ist für sich genommen ein Ausschlussverfahren, an dessen Ende nur ein Starker übrig bleiben kann und der Rest vorher untergegangen ist. Und der Hohn an der Sache ist, dass es dann lapidar heißt: wer es nicht schafft, ist selber Schuld.
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