27. Juli 2021 - 14:27 Uhr

Klage gegen Activision Blizzard - Petition der Mitarbeiter, Streik & WoW

Die letzten Tage waren für viele Fans von Activision Blizzard ziemlich aufwühlend. Doch nicht nur Spieler in aller Welt, vor allem für die Belegschaft ist die derzeitige Situation nach der Klage gegen das Unternehmen auf Grund von Diskriminierung enorm schwierig. Es gibt immer wieder neue Beiträge auf den Social Media Kanälen und Berichte über Aussagen von Mitarbeitern in allen möglichen Abteilungen.  Verständlicherweise, denn das Thema beschäftigt eine Großzahl an Menschen aus unterschiedlichen Gründen.

Während die erst vor Kurzem angestellte Activision Blizzard Executive Vice President für Corporate Affairs Fran Townsend die Anklage als „grundlos und verantwortungslos“ sowie „verzerrt oder falsch“ bezeichnete, gibt es zahlreiche Statements, die die Anschuldigungen sehr ernst nehmen. Unter anderem wurde wohl einen Tag lang von der Belegschaft gestreikt, Arbeiten an World of Warcraft seien gerade schwierig durchzuführen und eine Petition wurde von bereits über 2.000 Activision Blizzard Mitarbeitern unterschrieben, die an die Führungsriege adressiert war.
 

Streik der Mitarbeiter

Lead Game Designer Jeremy Feasel erklärte am 23. Juli 2021, dass zahlreiche Blizzardmitarbeiter an diesem Tage nicht zur Arbeit erschienen seien. Das war einen Tag, nachdem es die Meldung zur Klage gegen Activision Blizzard gegeben hatte. Durch diesen Streik wollten die Mitarbeiter ihre Solidarität mit den Frauen ausdrücken, die sich bis zu dem Zeitpunkt geäußert hatten.

Des Weiteren sei das Statement, welches von Activision Blizzard King (ABK) am Tag der Veröffentlichung der Klage getätigt wurde, nicht repräsentativ für den Rest der Firma. Sie glauben den Frauen im Unternehmen und versuchen Dinge zukünftig besser zu machen.
 

Nach diesem Tweet folgte Seitens Feasel ein weiterer. Am 26. Juli ist man wieder zur Arbeit gegangen und man hat sich zahlreiche Dinge angehört. Das Team hat Betroffenen mitgeteilt, sich die Zeit zu nehmen, die sie nun brauchen. Außerdem wurde eine Petition unterschrieben und wiederholt nach einem (ehrlichen) Statement von der Chefetage gefragt. Man hat Informationen gesammelt, um den Prozess sowie Fehler nun zu verbessern beziehungsweise zu vermeiden. Des Weiteren wurden Pläne für Folgeaktionen vorgeschlagen. Man will für das Team und alle WoW-Spieler kämpfen.
 


Offener Brief an Activision Blizzard

Als nächstes gab es einen offenen Brief, welcher die Führung von Activision Blizzard und deren offizielle Statements zur Anklage kritisiert. Über 2.000 Mitarbeiter haben diesen mittlerweile unterschrieben und nennen die Aussagen „abscheulich und kränkend“. Sie fordern eine neue Stellungnahme, die dem Ernst der Lage gerecht wird. Die Petition ist die Konsequenz auf die vielen Kommentare von Mitarbeitern auf Twitter, die die Unzufriedenheit über das offizielle Statement beinhalten. Schließlich beschreibt dieses die Klage als „wert- und verantwortungslos“.

Wie wir bereits vor einigen Tagen berichteten, veröffentlichten auch sehr bekannte Persönlichkeiten wie J. Allen Brack, der ehemalige Präsident Mike Morhaime und der ehemalige Vice Präsident Chris Metzen Statements, die etwas mitfühlender daherkamen. Sie seien sich darüber bewusst, dass die Anschuldigungen ernst zu nehmen sind und sie gegenüber ihren Mitarbeitern an manchen Stellen versagt haben.

Trotzdem gab es viel Gegenwind Seitens aktueller und ehemaliger Mitarbeiter. Sie sind der Meinung, dass die gesamte Situation nur eine Konsequenz aus dem Versagen der Führungsebene sei, bei dem Beschwerden gegen ältere Angestellte ignoriert wurden. Und zwar genau von den Personen, die nun öffentlich Reue zeigen. Genau aus diesem Grund gibt es nun die Petition, die fordert, dass ein weiteres offizielles Statement veröffentlicht wird – dieses Mal allerdings mit dem geforderten Maß an Ernsthaftigkeit gegenüber dem Thema und den Opfern.
 
 Petition an Activision Blizzard 
To the Leaders of Activision Blizzard,

We, the undersigned, agree that the statements from Activision Blizzard, Inc. and their legal counsel regarding the DFEH lawsuit, as well as the subsequent internal statement from Frances Townsend, are abhorrent and insulting to all that we believe our company should stand for. To put it clearly and unequivocally, our values as employees are not accurately reflected in the words and actions of our leadership.

We believe these statements have damaged our ongoing quest for equality inside and outside of our industry. Categorizing the claims that have been made as “distorted, and in many cases false” creates a company atmosphere that disbelieves victims. It also casts doubt on our organizations’ ability to hold abusers accountable for their actions and foster a safe environment for victims to come forward in the future. These statements make it clear that our leadership is not putting our values first. Immediate corrections are needed from the highest level of our organization.

Our company executives have claimed that actions will be taken to protect us, but in the face of legal action — and the troubling official responses that followed — we no longer trust that our leaders will place employee safety above their own interests. To claim this is a “truly meritless and irresponsible lawsuit,” while seeing so many current and former employees speak out about their own experiences regarding harassment and abuse, is simply unacceptable.

We call for official statements that recognize the seriousness of these allegations and demonstrate compassion for victims of harassment and assault. We call on Frances Townsend to stand by her word to step down as Executive Sponsor of the ABK Employee Women’s Network as a result of the damaging nature of her statement. We call on the executive leadership team to work with us on new and meaningful efforts that ensure employees — as well as our community — have a safe place to speak out and come forward.

We stand with all our friends, teammates, and colleagues, as well as the members of our dedicated community, who have experienced mistreatment or harassment of any kind. We will not be silenced, we will not stand aside, and we will not give up until the company we love is a workplace we can all feel proud to be a part of again. We will be the change.


Die Sache mit WoW...

Wer in den letzten Tagen im Internet unterwegs war, wird festgestellt haben, dass es an einigen Stellen heißt, dass Blizzard derzeit nicht an World of Warcraft arbeite. Senior System Designer Jeff Hamilton hatte mehrerer Tweets verfasst, die dies vermuten lassen. Er schrieb, dass er nicht wisse, was er tun solle. Er habe keine Antworten auf so viele Fragen und erklärte in einem Beitrag, dass derzeit so gut wie keine Arbeit an World of Warcraft getan würde. Daraus würde nur keiner profitieren, weder die Spieler, noch die Entwickler, noch die Gesellschafter.

Daraufhin folgten einige weitere Aussagen über das WoW-Team und die „inakzeptable“ Aussage von Activision Blizzard King zu dem ganzen Thema. Allgemein wissen wir nun natürlich nicht, wer in wieweit an welchen Sachen in der Firma arbeitet. Jedoch sollte es verständlich sein, dass der normale Arbeitsalltag nach der Veröffentlichung einer solchen Klageschrift erst einmal nicht gegeben sein kann.

Passend dazu gab es am 25. Juli einen Tweet von Senior Game Producer Alex Klontzas. So verurteilt er nämlich Spieler, die sich aktuell darüber beschweren würden, dass der nächste WoW-Patch sicherlich nun länger auf sich warten lassen wird. Er sei der Meinung, dass solche Leute sich etwas zurückhalten sollten, denn sie seien ein Teil des Problems. Man solle nicht Inhalte für ein Videospiel über menschlichen Respekt und Anstand stellen.
 

Wir hoffen für alle Mitarbeiter das Beste und auch, dass sie sich vielleicht in ihren Teams untereinander mit Arbeit sowie Gesprächen ablenken können und gemeinsam die schwierige Zeit überstehen.