17. Juli 2020 - 09:10 Uhr

Shadows Rising - Interview mit Autorin Madeleine Roux von Nobbel

Vergangenen Dienstag wurde der Roman Shadows Rising zur kommenden Erweiterung Shadowlands veröffentlicht, der dieses Mal allerdings nicht von Christie Golden geschrieben wurde, sondern von Madeleine Roux, die unter den WoW-Lesern bisher nur durch den dritten Teil der World of Warcraft: Traveler-Reihe bekannt ist. In einem Interview mit dem bekannten YouTuber Nobbel87 erzählte die nun Autorin ein wenig über ihre Arbeit und gab Antworten auf brennende Fragen. Wir haben euch eine übersetzte Zusammenfassung der interessantesten Infos zusammengeschrieben, in der sich auf diverse Spoiler befinden! 


Zusammenfassung des Interviews

Prozess des Schreibens​
  • Das erste Buch der Autorin für Blizzard war Traveller: The Shining Blade. Um den Job zu bekommen, musste sie ein Beispielkapitel schreiben.
  • Das Schreiben eines Buches für Blizzard unterliegt vielen Einschränkungen. Man erhält eine Übersicht mit Einzelheiten, einschließlich Details zu bestimmten Charakteren und wie was diese später im Spiel erleben.
  • Einige Charaktere in Shadows Rising haben lange Storybögen und Madeleine weiß nicht, wie sie enden werden, aber ihre Aufgabe war es, die Geschichten einzuleiten.
  • Wenn man für ein großes Franchise wie Warcraft schreibt, muss man bereit sein, das eigene Ego etwas herunterzufahren und die Vision des Unternehmens zu verwirklichen. Man hat aber die Möglichkeit Ergänzungen hinzuzufügen, wie z.B. dass Anduin sich als Jerek, ein Bürgerlicher, verkleidet und eines Abends in Goldhain entspannt. Dieses Detail soll zeigen, dass Anduin ein junger Herrscher ist, der Zeit für sich selbst braucht, und es soll die dem Leser zeigen, dass er keine Freunde in seinem Alter hat, mit denen er sich treffen kann.
  • Es ist schwierig, beim Schreiben eines Romanes ein Gleichgewicht zwischen Menschen zu finden, die die ganze Geschichte im Spiel erleben möchten, und Menschen, die gerne alle ergänzenden Bücher lesen. Für Shadows Rising wollte Blizzard, dass das Buch zukünftige Ereignisse vorwegnimmt, aber keine massiven Ereignisse in das eigentliche Buch einfügt. Das Team will nicht, dass die Leute das Gefühl haben, die Erweiterung nicht verstehen zu können, wenn sie das Buch nicht gelesen haben.
  • Roux bemühte sich, kleinere Charaktere wie Ji Feuerpfote und Katherine Prachtmeer im Roman herauszustellen - ihre Cameos verleihen ihren Szenen etwas Würze.
  • Roux war auch sehr besorgt darüber, Tyrandes Charakter richtig zu schreiben - all die Wut, Frustration und Traurigkeit zu vermitteln. Sie selbst ist ein großer Nachtelfen-Fan mit einer Tätowierung von Cenarius, Brightwing und der Sense von Elune.

Anduin
  • Anduin und Talanji sind in gewisser Weise Spiegelbilder; Sie sind beide junge Führungskräfte, die sich mit ähnlichen Traumata befassen, weil sie ihren Vater auf schreckliche Weise verloren haben.
  • Anduins Handlungen im Verlauf des Romans ziehen auch Parallelen zu Arthas. Sehr gut zu merken in einer Szene, in der Anduin mit Jaina im Kartenraum darüber diskutiert, wie Sylvanas am besten aufgespürt werden kann, ganz ohne moralische Bedenken. Jaina ist danach etwas besorgt, da sie zuvor ein ähnliches Verhalten von Arthas gesehen hat.
  • Am Ende des Romans verliert Anduin die Beherrschung und eine Ranke dunkler Energie entweicht aus seiner Hand, was alle um ihn herum schockiert. Blizzard hat ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Anduin während dieser Szene nach dunkler Energie greifen sollte. Obwohl Madeleine nur begrenzte Informationen hat und nicht sicher ist, welche Art von Magie Anduin genau ausübt, war dies definitiv Absicht von Blizzard und dürfte in Zukunft noch eine Rolle spielen.

Bwonsamdi
  • Bwonsamdi in Battle for Azeroth wirkte punktuell egoistisch und gefühllos. Im Roman erfahren wir mehr darüber, dass seine Handlungen einem größeren Plan dienen.
  • Bwonsamdi nutzt Zekhan für seinen größeren Plan, indem er ihn in die Rolle eines Horde-Diplomaten drängt, um Talanji zu helfen. Im Laufe des Buches sieht Zekhan eine idyllische Vision von Saurfang im Jenseits, die allerdings nur ein Trick ist. Viele Spieler haben sich gefragt, ob wir Saurfang im Schlund in den Schattenländern finden werden, und zuerst sieht es so aus, als würde Bwonsamdis Vision bedeuten, dass jemand eingegriffen und Saurfang gerettet hat. Doch wie Roux nun bestätigt, ist die Vision eine Illusion von Bwonsamdi, um Zekhan zu motivieren.
  • Bwonsamdi ist ein interessanter Charakter und normalerweise ganz nett. Doch wenn er gemein ist, ist es Teil eines größeren Ziels. Er ist nicht nur ein lustiger Trickstergott, er weiß, was in den Schattenlanden los ist und dass wir kurz vor der Vernichtung stehen.

Nathanos
  • Nathanos Beziehung zu Sylvanas ist angespannt. Es ist recht ungesund, dass sie ihm Befehle erteilt und er gehorcht. Nathanos weiß vielleicht nicht einmal über Sylvanas größeres Ziel Bescheid.
  • Es ist traurig, dass Nathanos ihr loyal gegenüber ist, aber sie eindeutig jemand anderem treu ist. Sie sind nicht in gleichem Maße einander gewidmet.
  • Auch wenn Madeleine kein Fan von Nathanos sind, sollte seine völlige Ablehnung durch Sylvanas am Ende des Romans einen emotionalen Einfluss haben - schließlich haben wir gerade das ganze Buch damit verbracht, ihm zu folgen und zu zeigen, wie loyal er ist.
  • Nathanos, der Bwonsamdi nicht töten konnte, könnte Sylvanas an ihre früheren Misserfolge erinnern - Saurfangs Rede über ihr Versagen ging Sylvanas unter die Haut. Während Nathanos ein weiterer Versager in ihrer Vergangenheit sein mag, könnte Sylvanas auch das Gefühl haben, dass es ihr gelungen ist, den Helm der Dominanz ohne seine Hilfe zu zerstören, und ihr Schicksal ist jetzt woanders, weg von ihrer Vergangenheit und Menschen, die sie scheitern lassen.
  • Roux weiß nicht, was Blizzard für die Zukunft der Beziehung geplant hat.

Die Verlassenen
  • Das Schicksal der Verlassenen ist noch unbekannt. Calia und Lillian regeln immer noch die Dinge. Sollte ein neuer Anführer für die Verlassenen gewählt werden, dürfte dies ein Event im Spiel sein und nicht in einem eigenen Buch erzählt werden.

Finn und Matthias
  • Finn Schönwind und Matthias Shaw kommen im Roman zusammen und sind somit ein schwules Pärchen. Roux bestätigte, dass diese narrative Entscheidung einer der Handlungspunkte war, die direkt von oben bei Blizzard kamen. Es ist keine "Wink Wink Nudge Nudge" - Sache. Ihr wurde gesagt, sie sollen sie zusammenbringen. Es ist offiziell!
  • Ihr Lieblingscharakter in dem Roman ist Finn und es war schwierig für sie, ihn während der Interviews vor der Veröffentlichung geheim zu halten. Es macht Spaß, seltsame Paare mit entgegengesetzter Energie zu schreiben, und ihr Streit während des Angriffs auf Dazar'alor diente als Inspiration für ihre Dynamik. Obwohl ihre Persönlichkeiten sehr unterschiedlich sind, zeigt der Roman, dass sie ähnliche Hintergründe haben und sich durch ihren Job definieren.
  • Finn und Shaw sind auch zusammen in dem kommenden Buch Exploring Azeroth: The Eastern Kingdoms von Christie Golden zu sehen. 

Schreibe einen Kommentar

Du darfst keine Kommentare schreiben
Nur Mitglieder auf Vanion.eu können Kommentare schreiben und beantworten, sowie Votes abgeben. Logge dich also ein oder erstelle dir jetzt einen Account. Hat schließlich keine Nachteile.
Kyriae - Mitglied
Madleine Roux hat übrigens, nicht nur in dem Interview, sondern auch in dem von Pyromancer und dem von Accolon gesagt, das sie für jede Figur stundenlang Texte durchgelesen, Cinematics angeschaut, Szenen im Spiel noch mal gespielt hat, um ein Gefühl dafür zu bekommen wie die Figuten handeln, sprechen, denken... 

Ich habe den Roman bereits gelesen und muss sagen, es ist einer der besten Warcraft-Romane, die ich bisher gelesen habe und ich hab sie alle gelesen ;)

Vor allem, weil man hier sehr viel über die Figuren lernt, die Denkweisen, Zweifel, Hoffnungen. 


Achtung! Evtl. kleine Spoiler - aber ich versuche es so allgemein wie möglich zu halten.
Leider hab ich keine Ahnung wie man die Sachen versteckt... :(

Als Main-Allianzler habe ich natürlich mit Interesse die Allianzpassagen gelesen und muss sagen: Holla die Waldfee, da kommt was auf uns zu. 
Die Dynamik zwischen Alleria und Turalyon... uff.... 

Die Entwicklung von Anduin gefällt mir,  als Anduin-Fangirlie ;), sehr, denn ich denke schon seit langem, dass er gern ein wenig aggressiver sein kann (ohne sich selbst untreu zu werden). Das Jerek-Kapitel war herrlich und zeigt sehr sehr viel über das was ihn umtreibt. Und auch bei Jaina merkt man durchaus die Irritation in der einen Szene. Am Ende übrigens erschrecken nicht nur jene, die um ihn herumstehen, sondern auch er selber sehr.

Sehr schön auch die Entwicklung von Talanji. Aber auch von Zerkhan.

Bwonsamdi - wäre ich nicht sowieso schon ein Fan gewesen, dann wäre ich es spätestens jetzt. Ich hätte nie gedacht, dass er seinen Job so ernst nimmt. 

Wer Nathanos liebt oder hasst wird so einiges über ihn erfahren. Ich muss sagen, ich fand es sehr interessant seine Motive und Denkweisen zu erfahren und am Ende tat er mir durchaus leid. 

Sehr interessant auch die beiden kurzen Auftritte von Tyrande, immer begleitet von Shandris und Maiev. Kurz, aber verdammt intensiv.

Sylvanas selber taucht übirgens erst im Epilog auf und man bekommt da einen kleinen Hinweis warum sie das macht was sie macht. Wir werden sehen. 
Für mich gehört ihr Kopf immer noch auf einen Speer ;)

Am Ende habe ich nur eine Frage: Wird er seinen Kuss bekommen? 
2
Faen - Mitglied
Das mit Anduin klingt für mich nicht so geil.

Ich könnte mir denken das sie.. weil Anduin oft angedeutet Parallelen zu Arthas hat das sie vielleicht einen ähnlichen schicksals schwenk machen wird wie inStratholme nur das just in dem moment sich mal anders entschieden wird. Aber ehrlich gesagt diese Dunklen Energien naja.. persönlich halte ich nichts davon, auch wenn ich weiß das Anduin auch Schattenkünste beherrscht seit MoP.
LikeADwarf - Mitglied
Ich bin tatsächlich auf die Nathanos Passagen gespannt.
Einer meiner liebsten Charaktere. Zwar weiß ich, dass ich mich sehr wahrscheinlich in SL von ihm verabschieden muss, aber bis dahin will ich seine Geschichte noch miterleben... irgendwie tut er mir schon leid. Er ist ein Unsympath, war er schon im Leben, aber ich fühle mit ihm ... auch jemand wie Nathanos hat in gewisser Weise ein Herz und einen Kodex dem er folgt.
Aber auch zu Anduin freue ich mich schon ein wenig mehr zu lesen. Er ist, anders als Varian, ein wirklich interessanter König. Im ersten Moment wirkt er schwach ... ist aber so viel mehr.
3
Kyriae - Mitglied
Du kannst auf die Nathanos-Passagen gespannt sein. Sehr aufschlussreich...
Cocoon26 - Mitglied
Solche Interviews finde ich einfach klasse.^^

Viele meckern immer rum wie kacke die WoW Bücher geschrieben werden dabei vergessen sie gerne was für ein riesen Aufwand das ist sich in so vielen Charakteren hineinversetzten zu müssen vor allem wenn man kein Fan von gewissen Charakteren ist. Blizzard diktiert ja den schreibern nicht jedes Wort sondern gibt meistens nur Stichpunkte und da sage ich Hut ab vor den Autoren.
1
Andi Vanion.eu
Ich will es mir gar nicht vorstellen, was da für nen Aufwand hintersteckt. Zumal die Autoren das WoW-Universum ja auch ziemlich gut kennen müssen, um mit den Eckpunkten von Blizzard eine schöne zusammenhängende und passende Geschichte schreiben zu können. 
1
Graphiel - Mitglied
Einige Charaktere in Shadows Rising haben lange Storybögen und Madeleine weiß nicht, wie sie enden werden, aber ihre Aufgabe war es, die Geschichten einzuleiten.
Dies empfinde ich dabei als einen besonders wichtigen Punkt, den man nicht unterschätzen sollte. Wenn den Buchautoren zwar eine grobe Richtung vorgegeben wird, sie jedoch über der großen Outline in Unkenntnis bleiben erklärt dies natürlich auch warum es sich manchmal so anfühlt als wisse die linke Hand nicht, was die rechte zuvor geschrieben hat. Ich muss sagen, dass ich diese Vorgehensweise zwar verstehen kann, sie jedoch auch ein wenig kritisch betrachte. Zu einer wirklich runden Story gehört nun mal ein grober Umriss, der zumindest alle wichtigen Punkte vom Anfang bis zum aktuell erdachten Ende abdecken muss. Den Autor darüber in Unkenntnis lassen, wo die Reise von Charakter XY nach aktuellem Stand enden soll und ihn stattdessen damit zu beauftragen doch einfach nur das nächste Kapitel einzuleiten empfinde ich da als problematisch. Der Autor ist somit schließlich gezwungen sich selbst kreative Fesseln anzulegen, um nicht versehentlich Elemente in die Story zu bringen, die mit geplanten späteren Ereignissen kollidieren, von denen der Autor zum Zeitpunkt seiner Schreibarbeit nichts wissen kann. Alle weiteren Aspekte wie die notwendigen Kentnisse über das WoW Universum im allgemeinen kommen natürlich noch hinzu.

Allerdings heißt das natürlich auch nicht, dass selbst unter diesen Umständen schlechte Storyführungen stets zu entschuldigen sind. Eine schlecht geschriebene Geschichte bleibt halt eine schlecht geschriebene Geschichte. Ein persönliches Beispiel: Goldens Arthasroman, den ich tatsächlich als ein fürchterliches Machwerk empfand. Das alberne Dauerumgeheule über den verstorbenen Gaul und Jainas Zürückweisung bei Stratholm, die als Motivation für den zukünftigen Lichking zusammengeschrieben wurden, müssen bei mir auch nicht durch die wohlmöglichen schwierigen Vorgaben Seitens Blizzard entschuldigt werden. Das ändert halt trotzdem nichts daran, dass ich diesen Plot der Qualität Wendyzeitschrift als schauderhaft empfunden habe. ;)