24. Juli 2021 - 07:43 Uhr

Warcraft 3: Reforged - Activision soll Schuld am Desaster des Remakes haben

Der bekannte Gaming-Journalist Jason Schreier hat mal wieder recherchiert und einige interessante Fakten zu Activision Blizzard veröffentlicht. Auf der englischen Webseite bloomberg.com ging es dieses Mal um das Disaster namens Warcraft 3: Reforged, welches letztes Jahr auf den Markt kam. Scheinbar wurden Dokumente veröffentlicht, in denen das Wissen über den „misslungenen Release“ des Warcraft 3 Remakes enthalten waren. Außerdem sprach Schreier mit Personen, die ebenfalls Kenntnisse über die Entwicklung des Spiels besitzen und sich dazu äußern konnten.

Ausschlaggebend war wohl ein Bericht, über den wir erst am 22. Juli 2021 berichtet hatten. Es ging um schier unglaubliche Missstände im Unternehmen Blizzard Activision, eine Anklage und sogar einem Suizidfall einer Mitarbeiterin. Kurz darauf erhielt der Gaming-Journalist, der bereits zahlreiche weitere Probleme in Spieleunternehmen aufgedeckt hatte, Zugriff auf einige geleakte Dokumente. Jene gaben Aufschluss darüber, was bei der Entwicklung von Warcraft 3: Reforged schiefgelaufen sei. Ein nächster Schuss Öl im Feuer, welches sich rund um Activision Blizzard gerade ausbreitet.
 

Das Desaster namens Warcraft 3: Reforged

Wir erinnern uns, dass im letzten Jahr zahlreiche Fans von Warcraft 3 enorm enttäuscht waren, da Reforged nicht dem entsprach, was sie erhofft hatten. Es fehlten wichtige Features aus dem Originalspiel (wie das Ranglistensystem), der Feinschliff wurde ausgelassen und Versprechungen Seitens Blizzard erst gar nicht eingehalten, obwohl sie damit für das Game warben. Die Community hatte lange auf Warcraft 3: Reforged gewartet, um dann in vielen Fällen nicht das zu erhalten, was angepriesen wurde.

Blizzards Präsident J. Allen Brack hatte Warcraft 3 als monumental wichtig betitelt, als Reforged 2018 angekündigt wurde. Das Unternehmen versprach „über vier Stunden aktualisierte Ingame-Cutscenes und neu-aufgenommene Voice-Overs“. Jedoch war laut Aussage Schreiers das Projekt nie wirklich wichtig genug, um bei Activsion Blizzard auf der Prioritätsliste ganz oben zu landen. Schließlich wussten sie damals schon, dass ein Remaster-Titel niemals den Erfolg haben würde, wie das Original.
 

Zu viel Druck von oben…

Unter dem Druck von Activision legte das Entwicklerteam bei Blizzard seinen Fokus auf die größeren Franchise-Titel und Warcraft 3: Reforged bekam nicht das ehrgeizige Budget spendiert, welches sich eigentlich gewünscht wurde. Dadurch blieben natürlich auch bestimmte Neuerungen wie neue Story-Sequenzen oder aktualisierte Voice-Overs aus. Eigentlich geplante Verbesserungen wurden aufgrund von Zeitdruck, straffen Deadlines und geringem Budget schlichtweg gestrichen.

Activision habe zusätzlich auf einen schnellstmöglichen Release-Termin gedrängt, anstatt das Entwicklerteam zu unterstützen und beispielweise mehr Zeit zu gewähren. Grund dafür sei die Vorbestellungsphase gewesen. Die Spieleschmiede wollte den Zeitraum zwischen Start der Pre-Orders und dem Releasedatum möglichst geringhalten, um Rückgaben der Vorbestellungen möglichst gering zu halten.
 

Die Wochen nach dem Release

In den Wochen nach dem Release von Warcraft 3: Reforged versprach Blizzard, das Spiel weiter zu verbessern und einige der Features zukünftig zuzufügen. Doch 18 Monate später gibt es immer noch keine Zeichen von Updates, neuen Story-Sequenzen oder anderen Dingen, die kommen sollten. Das Unternehmen entschuldigte sich für den Release und erklärte, dass sie sich dazu entschlossen hatten, die Cinematics nicht zu aktualisieren, weil die „Ingame-Cutscenes zu weit vom Originalspiel wegsteuern könnten“. Wie Schreier aber in seinem Artikel beschreibt, wurde sich mit 11 Leuten unterhalten, die entweder direkt an Warcraft 3: Reforged oder nah am Spiel gearbeitet haben. Diese bestätigten, dass der Arbeitsumfang rund um das Remake wegen Kürzungen des Budgets und internen Diskussionen verringert wurde.
 

Weitere Missstände

Im Bericht wird des Weiteren beschrieben, dass es Entwickler im Team gäbe, die seit über einem Jahr mit Angstzuständen, Erschöpfung und Depressionen zu kämpfen hätten. Zahlreiche Mitarbeiter hätten das Vertrauen in das Team und auch das Unternehmen verloren – so wie auch viele Spieler in der Community. Der Release von Warcraft 3: Reforged in dem gegebenen Zustand habe nicht dabei geholfen, das Vertrauen wiederaufzubauen.

David Fried, einer der Entwickler vom Originalspiel Warcraft 3, kam für das Projekt zurück in die Firma. Er sei tief enttäuscht gewesen von Activision und den finanziell begründeten Zwängen, die dem Entwicklerteam auferlegt wurden. Seiner Meinung nach sei es auch kein Wunder, dass Mike Morhaime 2018 das Unternehmen verlassen habe. Morhaime war schließlich dafür bekannt, dass nur Spieler mit dem Blizzard-Label die Schmiede verließen, die qualitativ hochwertig genug waren.
 

Ausblick für Diablo II: Resurrected

Die Entwicklung am nächsten Classic Games Projekt Diablo II: Resurrected wurde an andere Teams weitergegeben. So entsteht das Remake durch Vicarious Visions in direkter Zusammenarbeit mit der Diablo IV Abteilung. Vicarious Visions fusionierte erst Anfang des Jahres mit Blizzard Entertainment. Den Berichten zufolge soll das gesamte 200-köpfige Team Mitarbeiter von Blizzard sein. Dadurch können wir hoffen, dass der Fehler von Warcraft 3: Reforged nicht wiederholt werden soll und das Team unabhängiger arbeiten kann.

In einem separaten Artikel zu Vicarious Visions könnt ihr euch alle Einzelheiten zum Entwicklerstudion noch einmal durchlesen.

Schreibe einen Kommentar

Du darfst keine Kommentare schreiben
Nur Mitglieder auf Vanion.eu können Kommentare schreiben und beantworten, sowie Votes abgeben. Logge dich also ein oder erstelle dir jetzt einen Account. Hat schließlich keine Nachteile.
Kelturion - Mitglied
Das Schlimmste daran ist ja nicht mal, dass Reforged in den Sand gesetzt wurde. Sowas kann eben bei schlechtem Management und schlechter Organisation passieren.

Erbärmlich wird es aber bei Blizzards Reaktion darauf. Ein Unternehmen, was sich auch nur ansatzweise für seine eigene Reputation interessiert hätte hier sofort reagieren und volle Ressourcen auf eine ordentliche Schadensbegrenzung ansetzen müssen um das Ding wieder gerade zu biegen, d.h. Reforged müsste zurück in die Entwicklung, das volle beworbene Feature-Set müsste implementiert werden und als Goodie/Entschuldigung nochmal 10% mehr oben drauf. Das wäre angemessen gewesen und die Spieler hätten es ganz sicher honoriert. So ein bisschen wie FFXIV, das auch seinerzeit katastrophal gelauncht wurde, dann zurück in die Entwicklung ging und später einen Re-Release bekommen hat, der sich langfristig enorm ausgezahlt hat.

Natürlich wäre das teurer gewesen. Aber das liegt bei eklatanten Management-Fehlern nunmal in der Natur der Sache.

Dass Blizzard aber lieber die Taktik fährt "wir tun mal so als gäbe es das Produkt nicht" (siehe letzte Blizzcon) lässt halt tief blicken. Aber es zeigt halt auch gut, welchen Qualitätsanspruch Blizzard an sich selbst und an ihre eigenen Produkt hat, nämlich offenbar gar keinen mehr. Und somit bleibt Reforged auch bei vielen Spielern und auch der Spielepresse als DER Titel im Gedächtnis, der den kompletten Absturz Blizzards am besten veranschaulicht. Und das hätte nicht sein müssen.
1
Kronara - Mitglied

und volle Ressourcen auf eine ordentliche Schadensbegrenzung ansetzen müssen um das Ding wieder gerade zu biegen

Im Artikel steht doch was dazu: Wollte Blizzard ja, aber die Entscheidung darüber trifft ALLEINE Activision, da das Geld dafür eben von Acitivision dafür kommt!
Und woher soll Blizzard das Geld nehmen, wenn Activision es streicht. Blizzard selber verfügt über keine freies Budget, mit dem das möglich wäre!

Und genau DAS ist ja das Problem.

Wie gesagt, hier muss man zwischen Blizzard (Entertainment) und Activision (Blizzard) unterscheiden. Das sind NICHT die selben!

Kelturion - Mitglied
@Kronara: Naja aber speziell in dem Fall macht es ja eben keinen Sinn mehr die Unterscheidung zu treffen, denn wenn Blizzard selbst darüber garkeine eigene Entscheidungsgewalt mehr hat ist Blizzard ja letztlich sowieso nichts mehr weiter als eine leblose Hülle, also quasi nur noch ein Franchise, das von Activision komplett gesteuert wird.

Dann nennen wir den Übeltäter eben Activision Blizzard.
1
Rappen - Mitglied
Ich kann es kaum erwarten, bis sie das neue Store Mount veröffentlichen, um alle wieder zu beruhigen.
8
Erenjaeger - Mitglied
Leider verliert Blizzard dadurch viel vertrauen an die Kunden. Früher habe ich ohne mit der Wimper zu zucken Blizzard Spiele nach Ankündigung vorbestellt. Aber mit dem was Blizz die letzten Monate/Jahre teilweise raushaut werde ich das nicht mehr machen.

Ob es nun Ressurection (auch wenn Sie es abgegeben haben) OW2 oder das nächste WoW Addon ist.

Traurig ist aber auch, dass Blizzard bis heute noch keine Ladder in Reforge gebracht hat und es nur von der Community was gibt. Und so wie es aussieht (habe Reforge nie gespielt) scheint es mit der neuen Grafik immer noch starke Probleme zu geben, da alle Turniere die man so sieht in Classic Design gemacht werden.
Rosenstolz - Mitglied
Wer könnte auch annehmen, dass sich eine Neuauflage eines der erfolgreichsten Strategiespiele rentabel verkaufen würde???

Das würde doch niemand tun!

Ach doch, Menschen mit Verstand. Rar - und bei Activision wohl eher nicht vorhanden.
1
Teron - Mitglied
Blizzard hat lange Zeit gutes Geld damit verdient, dass sie sorgfältig vorbereitete hochwertige Spiele verkaufen. Damit hat Blizzard sich einen Namen gemacht. Wer sich aber jemals der Illusion hingegeben haben sollte, dass Activision/Blizzard ein gemeinnütziger Verein sei, der ist schon seit längerem eines besseren belehrt worden, nicht erst seit dem Release von Warcraft3: Reforged. Und sollten die Verantwortlichen von A/B meinen, man könne auf Dauer Geld verdienen, wenn man mangelhafte Produkte abliefert, dann irren sie sich ebenfalls gewaltig. Wenn weiterhin Produkte wie WC3:R vorschnell auf den Markt geworfen werden, dann wird bald niemand mehr diese Produkte kaufen, und niemand verdient mehr Geld damit. Ich hoffe, dass sich diese Erkenntnis bei A/B bald durchsetzen wird. Und auch bei den Shareholdern die Erkenntnis, dass sie dann ebenfalls kein Geld mehr verdienen werden. Aber das Muster ist doch immer und überall das gleiche. Ein Unternehmen hat großen Erfolg, es lockt Investoren an, die bisherigen Besitzer erliegen der Versuchung mit dem guten Namen des Unternehmens schnell Geld zu machen, und den neuen Besitzern reicht es dann nicht, dass ihre Anteile Gewinn abwerfen, sondern jetzt muss alles auch noch schnell gehen.
3
Inflame114 Legende
Sehr traurig zu lesen. Leider eine Entwicklung die viele große Konzerne/Firmen durchleben. Es geht nur noch um Gewinnmaximierung damit die Aktionäre zufrieden gestellt werden. Ein tolles Produkt anzubieten ist leider nicht mehr oberste Priorität. Auch in WoW stelle ich eine ähnliche Entwicklung fest. 
Es geht nur noch ums Geld 
Scaros - Mitglied
@Lorpendium:
Ja aber das denkmuster ist kurzfristige Gewinnmaximierung und nicht langfristig.